Mittwoch, 29. Juli 2020

Homo sacer komplett

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

Buttando nel vento

Il lavoro di anni

Perché nemmeno da vecchi si sa 

Cosa faremo da grandi

 

LUCIO CORSI 

Dienstag, 30. Juni 2020

Courbet und die Vendôme-Säule

















Die gußeiserne Cigarre mit dem Männchen im römischen Triumphatormantel steht wieder mitten auf dem für sie be-

stimmten Platze, und jener Mann, der an derselben rüttelte,

liegt unter der kühlen Erde eines poetischen schweizer Fried-

hofes am Leman-See. Wie der Maler Courbet, der oft ge-

nannte Vertreter der äußersten Linken in der realistischen

Kunstrichtung, dazu kam, gegen die Säule einen solchen

Haß zu fassen, ist vom doppelten Standpunkt, vom politi-

schen wie vom künstlerischen, erklärlich. Politisch wurde

Courbet durch die Lobeserhebungen, welche seine Weige-

rung, das Kreuz der Ehrenlegion anzunehmen (1870), her-

vorrief, berauscht und fühlte sich berufen, seinen Republika-

nismus durch eine Thatsache zu bekräftigen. Aesthetisch

machte ihn die unliebsame Säule nervös dadurch, daß er

sie beständig vor Augen hatte, denn nach dem 4. Septem-

ber 1870 wurde Courbet mit der Oberaufsicht der Museen

betraut und thronte in dem reichgeschmückten Cabinet im

Louvre-Palais.

 

Trat er nun nach beendigter Arbeit oder nach einer erhitzten
ästhetischen Debatte an’s Fenster seines Cabinets, so traf
sein Blick die Vendôme-Säule, jene im Jahre 1807 zur Ver-
herrlichung der Thaten der „großen Armee“ errichtete bronze-
ne Cigarre, die sehr ungraziös den circusförmigen Vendôme-
Platz verunstaltete. Sowohl das unästhetische Denkmal, wie
das Standbild Napoleon’s des Ersten machten den Künstler
Tag für Tag nervöser; er wurde als Nachbar der persönliche
Feind der Vendôme-Säule. Sein Unmuth äußerte sich bereits
am 14. September in einem Briefe an die Nationalregierung,
in dem er sich anheischig machte, die betreffende Säule zu
stürzen. Die Nationalregierung ließ diesen Antrag ohne allen
Bescheid, aber in den Augen der gegen den Bonapartismus
aufgebrachten Menge stieg noch die Popularität Courbet’s.

So nachzulesen in Paul d’Abrests Artikel „Courbet und die Ven-

dôme-Säule“ für Die Gartenlaube, Heft 9, S. 148-150 (1878).

Samstag, 30. Mai 2020

Gottesstaat


















Wer wissen will, was das — wie sich Schlossbefürworter
wohl ausdrücken würden — Kreuz von „ausnehmender Ge-
schmacklosigkeit“ oder besser „ausgesuchter Hässlichkeit“
abwehren soll, kann sich bei Friedrich Julius Stahl, Berater
der Kamarilla Friedrich Wilhelms IV. kundig machen. In sei-
nem am 8. März 1852 auf Veranstaltung des Evangelischen
Vereins für kirchliche Zwecke gehaltenen Vortrag „Was ist
die Revolution?“ heißt es:

Die Revolution fordert die Volkssouverainetät, sey es die
demokratische Republik, sey es die Monarchie, in welcher
der König Knecht des Parlaments, das Parlament Knecht
der öffentlichen Meinung oder der Volksmasse ist.

Die Revolution fordert die Freiheit, das Gewährenlassen in
allen Gebieten, unbegränzte Theilbarkeit und Veräußerlich-
keit des Grundeigenthums, unbegränzte Ansässigmachung
und Gewerbefreiheit, unbegränzte Freiheit der öffentlichen
Lehre, der Sectenstiftung, der Ehescheidung. Sie fordert Ab-
schaffung der Todesstrafe, Straflosigkeit der Gotteslästerung,
ehrenvolles Begräbniß des Selbstmörders.

Montag, 13. April 2020

Messaggi dallo Studio(lo) 4


















Heute, 12. April 2020, Ostersonntag, sind in Italien 431
Menschen im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben,
il numero più basso dal 19 marzo, „so wenige wie seit
19. März nicht mehr“. Europa atmet auf… Europa? Gibt
es das noch? Gab es das je? Der im Mai 1993 in Mailand
geborene Ghali Amdouni jedenfalls glaubt: *SONO EU-
ROPEO*. Und hat das Karfreitag auf Instagram gepostet.
Sein Post ist innerhalb von zwei Tagen 3572 mal kom-
mentiert worden. Wer wissen will, was auf uns Europä-
er in nächster Zeit zukommt, sollte die Kommentare
mal bisschen genauer studieren.

Statt sich darüber Gedanken zu machen, ob man, wäre
man Verleger, Lindemanns „Lyrik“ veröffentlichen wür-
de, oder Tocotronics Trostgesang schönzureden, könnte
man ja, als guter Europäer, einfach mal da sein, wo die
action ist: reinhören in Lucio Corsis neues Album, sich
freuen auf das erste Soloalbum des BAUSTELLE-Mitglieds
Francesco Bianconi. Oder sich fragen, warum alle euro-
päischen Kinder zwischen sechs und sechzehn Ghali lie-
ben. Meinen (7 und 11) ist er ein Idol. „Good Times“,
„Jennifer“ und „Combo“ von der gerade erschienenen
Platte DNA werden schon, mehr schlecht als recht, von
ihnen mitgesungen.     

Montag, 16. März 2020

Messaggi dallo Studio(lo) 3


















Italien hat seit genau einer Woche sein Corona-Gedicht:
Nove marzo duemilaventi („9. März 2020“). Geschrieben
hat es Mariangela Gualtieri, die noch vor einem halben
Jahr in Marano sul Panaro auf dem Poesia Festival von
Modena Gedichte von Giovanni Pascoli (1855-1912) vor-
trug (siehe oben).
 
[…] Per la prima volta 
stringere con la mano un’altra mano 
sentire forte l’intesa. Che siamo insieme.
Un organismo solo. Tutta la specie
la portiamo in noi. Dentro noi la salviamo.

A quella stretta
di un palmo col palmo di qualcuno
a quel semplice atto che ci è interdetto ora –
noi torneremo con una comprensione dilatata.
Saremo qui, più attenti credo. Più delicata
la nostra mano starà dentro il fare della vita.
Adesso lo sappiamo quanto è triste
stare lontani un metro.

Samstag, 14. März 2020

Messaggi dallo Studio(lo) 2


















Qualcuno doveva aver calunniato Giuseppe C., …

#giuseppeconte #josephcomte #joséconde #josefgraf

Freitag, 13. März 2020

Messaggi dallo Studio(lo)


















Non è tempo di cantare
Alterare la realtà
Però anche Schopenhauer
Scrisse di felicità